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Der Drang nach Selbstoptimierung

Leuchtreklame, Selbstoptimierung, Resilienz, Gesundheit, Achtsamkeit

Wir tragen Schrittzähler, die uns am Abend mitteilen, ob wir unser Ziel erreicht oder verfehlt haben. Wir versuchen mit Selbsthilfebüchern herauszufinden, wie wir eine bessere Version unserer Selbst erreichen können und versuchen uns sogar im Freundeskreis regelmäßig bei Koch- und Backkünsten selbst zu übertreffen.

 

Wissen wir manchmal tatsächlich noch, aus welcher Motivation heraus wir die Dinge tun oder ist die Selbstoptimierung zu einem Selbstzweck geworden? Nach dem Motto, Hauptsache "höher, schneller, weiter!"?

 

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus, weiß ich, wie schmal der Grad zwischen der Motivation und dem Drang zur beständigen Weiterentwicklung und Selbstoptimierung sein kann. Bei mir fühlt sich das dann an, als sei ich "getrieben" von etwas. Ein äußerst unangenehmer Gemütszustand, kann ich Ihnen versichern.

 

Selbstoptimierung meint, dass es im Leben vor allem darum gehen soll, sich konstant weiterzuentwickeln und zu verbessern. Das ist per se zunächst nichts schlechtes, sofern wir dies stets mit Augenmaß tun. Doch leider hat das Ganze einen entscheidenden Haken, denn: Niemand ist jemals gut genug. Sonst könnten wir uns ja sagen: So, jetzt reicht es, jetzt bin ich ein guter Mensch. 

 

Svend Brinkmann, Professor für Psychologie an der dänischen Universität Aalborg, führt die hohe Ausprägung an Depressionen und Angstzuständen in westlichen Länden zumindest in Teilen zurück auf diesen Selbstoptimierungs-Wahnsinn. Daher fordert er uns in seinem Buch "Pfeif drauf: Schluss mit dem Selbstoptimierungswahn" dazu auf, die Reißleine zu ziehen und uns auf die wahren Motivatoren Standhaftigkeit, Zufriedenheit und Glück zurück zu besinnen.

 

Anstatt uns also nur zu fragen

  • "Was kann ich an mir selbst noch optimieren?" und
  • "Wie kann ich das erreichen?"

sollten wir uns unbedingt zusätzlich folgende Fragen stellen:

  • „Ist das, was ich erreichen möchte, so wichtig und wertvoll, dass ich es auch tun sollte?",
  • "Ist es moralisch vertretbar?“ und vor allem
  • "Wo sind dabei meine persönlichen, sozialen etc. Grenzen?"

Gerade die Frage nach den Grenzen wird selten in Ratgebern und Selbsthilfebüchern beschrieben. Und das, obwohl genau diese Frage uns viel Ärger und Frust ersparen kann.

 

Bevor Sie also das nächste Mal vom eigenen Egoismus getrieben in die Optimierungsfalle tappen, sollten Sie zunächst inne halten und sich die obigen Fragen ehrlich beantworten. Wenn Sie dann feststellen, dass die Weiterentwicklung wichtig, wertvoll sowie moralisch vertretbar ist und im eigenen Verantwortungsbereich liegt, dann kann die Reise auch schon los gehen. 

 

Dann aber vielleicht eher unter dem Motto: Do something great but think about it first!

 

Ihre

Barbara Ries

 

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